Das medizinische Konzept basiert im Kern auf der Lehre von Pfarrer Kneipp entsprechend seinem Zitat "haltet mir meine Lehre rein". Durch die Kombination von Wasser, Bewegung, Ernährung, Pflanzen sowie vegetativ regulierende und lebensordnenden Maßnahmen sollen als Ziel Gesunde gesund bleiben und Kranke wieder gesund werden. Es handelt sich um präventiv und rehabilitativ wirkende Behandlungen, wobei der Mensch immer ganzheitlich im Sinne einer bio-psycho-sozialen Betrachtungsweise gewürdigt wird. Es ist erstaunlich, wie Pfarrer Kneipp schon damals neben der Bedeutung von Ernährung und Bewegung psychosomatische Zusammenhänge erkannt hat, die heute work-life-balance oder burn out genannt werden.

Die Wirksamkeit der Naturheilverfahren der Fünf Säulen war schon vor Pfarrer Kneipp bekannt. Sie sind mittlerweile auch als Klassische Naturheilverfahren schulmedizinisch in die Weiterbildungsordnung für Ärzte und die Approbationsordnung für Medizinstudenten integriert. Durch das von Pfarrer Kneipp erkannte Prinzip der Reizabstufung können letztlich alle Gesunde und Patienten behandelt werden. Wesentlich ist die richtige Dosierung der Anwendungen zur richtigen Zeit, wobei dies von der Konstitution und vorliegenden Erkrankungen abhängig ist. Weiterhin ist wichtig, dass die Intensität der Anwendungen in Abhängigkeit von der Verträglichkeit gesteigert wird. Als Ziel wird dann die Abhärtung erreicht, d.h. insbesondere eine verringerte Infektanfälligkeit bei gesunder Konstitution. Darüber hinaus wird in der Regel das positive Gefühl der Lebensfreude verstärkt oder geweckt. Kneippianer sind lebensbejahend.

Zum Konzept gehört, neben der Erhaltung der Lehre Pfarrer Kneipps, auch der Blick über den Tellerrand. So werden alternative oder komplementäre Verfahren geprüft, ob sie nach Wirksamkeit einer der Fünf Säulen zugeordnet werden und damit zu deren Weiterentwicklung beitragen können. So war z.B. Pfarrer Kneipp der Meinung, dass Massagen eher verweichlichen würden – heute wissen wir, dass Massagetechniken neben der muskelentspannenden und wohltuenden Wirkung sogar Veränderungen im Immunsystem bewirken können. Sie werden daher indikationsabhängig immer in den Therapieplänen berücksichtigt. Ein weiteres Beispiel ist das neu eingeführte Biofeedback Verfahren, dass wissenschaftlich gut untersucht ist und regulierend im Sinne der Ordnungstherapie eingesetzt wird.
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